Tommy Jaud – Resturlaub

Welches Buch kann man am Pool besser lesen als eines mit dem Titel „Resturlaub“? Nicht viele, glaube ich.
Und es war auch an sich eine super Entscheidung. Der Klappentext fasst den Inhalt schon perfekt zusammen:

Seine Eltern wollen, dass er endlich ein Haus baut.
Seine Freundin will endlich ein Kind.
Und seine Freunde wollen zum elften Mal nach Mallorca.
Doch Pitschi Greulich hat einen ganz anderen Plan.

Ich muss gestehen, dass ich so eine Geschichte bisher nicht aus der Sicht eines Mannes gelesen habe. Es war aber wirklich nicht schwer sich als Frau mit Peter (Pitschi) zu identifizieren und ihn tatsächlich zu verstehen. Sein Leben war geregelt, es gab keine Überraschungen mehr und jeder erwartete den nächsten Schritt mit seiner Freundin Bine. Unglücklich dabei: im Freundeskreis grassierte auch gerade das Hochzeitsfieber. Nur er war irgendwie nicht so richtig bereit.
Und dann wagt er den großen Schritt, von dem viele wohl träumen, es aber nie tun: Er wandert aus. Verlässt von jetzt auf gleich sein altes Leben und somit auch alle Freunde und vor allem Bine. Er erhofft irgendwo auf der Welt als neuer Pitschi glücklicher zu sein.
Und dazu verschlägt es ihn dann ausgerechnet nach Argentinien.

Ich mochte das Buch wirklich. Es ist sehr lustig geschrieben und auch wenn es ein Mann über 30 ist, konnte ich mich super in ihn hineinversetzen. Auch seine Freunde waren sehr sympathisch, jeder auf seine Weise.
Insgesamt waren die Personen wirklich toll beschrieben. Sowohl optisch als auch charakterlich immer gut fassbar.
Und mein Humor wurde komplett getroffen. Meist war es eher Sprachwitz als Dialogwitz (heißt das so?) und nie unter der Gürtellinie. Ich hab mit diesem Buch ja schon im Flugzeug begonnen und dann eben herzhaft gelacht. Meine Freunde guckten immer etwas mitleidig, ob es mir denn noch gut geht.

Was mich leider etwas genervt hat, war die Sprache. Das ist definitiv mein persönliches Empfinden, aber mich nerven geschriebene Dialekte eben total. Und dass es dann auch noch Fränkisch war, macht die Sache nicht besser. Ich hab nichts gegen den Dialekt, um Gottes Willen. Aber der ist eben einfach zu weit weg von meinem eigenen und liegt mir daher schwer in den Ohren (und beim Lesen musste ich mir das ja nun zwangsläufig ganz genau vorstellen, wenn es so geschrieben wurde). Zum Glück verabscheut Pitschi den Dialekt aber und benutzt ihn äußerst selten (ganz im Gegensatz zu seinen Freunden).
Neben dem Dialekt, sprechen die Argentinier mit ihm konsequent Spanisch. Pitschi kann ein wenig Mallorca-Spanisch (nach zehn Mal Urlaub dort, sollte das auch wohl sein). Ich kann das aber gar nicht. War noch nie in Spanien, kenne keine Spanier und hatte auch nie Spanisch-Unterricht. Somit wären selbst für die leichtesten Sachen (Woher kommst du? Wie geht es dir?) Übersetzungen fällig gewesen. Klar hab ich dann an der Antwort erkannt, worum es ging. Bin ja nicht ganz blöde (und Französisch und Latein hatte ich in der Schule auch), aber ich konnte das beim Lesen ja nicht mal in Gedanken gut aussprechen. Also lief es darauf hinaus, dass ich das einfach immer überlesen habe. Sowas finde ich schade.
Aber gut, vieles hat er ja selber nicht verstanden. Das sollte wohl ausdrücken, dass das nicht Pitschis beste Idee war, so holterdiepolter auszuwandern (und das Land dabei auch erst am Flugschalter auszusuchen).

Und ab und an fand ich diesen Selbstfindungstrip auch nervenzehrend. Letztendlich ist mir zu wenig passiert. Ich kann mir nicht helfen. Nichts war so wirklich spannend in Argentinien. Klar, er hat so einige interessante Leute kennen gelernt und es ist auch einiges schief gegangen. Aber der richtige Höhepunkt fehlte mir.

Das Ende war für mich aber die ganze Zeit eine Überraschung. Ich hatte keine Ahnung, ob er a) dort bleibt, b) zurückkommt, c) zurückkommt, aber trotzdem nicht wieder mit Bine zusammen sein will oder d) was ganz anderes. Irgendwie war da für mich alles offen.

Das Cover gefällt mir dann wirklich gut. Der Fuß ist doch ein echter Blickfang und zum Glück habe ich viel Selbstironie und kann über mich lachen. Dann finde ich diese Anspielung auf deutsche Touristen echt lustig, die ja hauptberuflich Socken in Sandalen tragen im Urlaub.

Für diese lustige Urlaubslektüre gibt es . Den einen Stern ziehe ich ab, weil mich die Sprache und diese höhepunktlose Zeit in Argentinien manchmal einfach extrem genervt hat.

Tommy Jaud – Resturlaub
Fischer Taschenbuch Verlag, 2006
ISBN 9783596168422
248 Seiten
Taschenbuch; 7,99 Euro

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