Bettina Belitz – Scherbenmond

Er war einfach weg! Dieser Zauber, das Freuen auf die nächste Seite, das Kribbeln beim Lesen. Das alles gab es noch beim Lesen des ersten Teils, aber trotzdem war auch dieses ein sehr gutes Buch.

Es wird die Geschichte von Ellie und Colin weitergeführt.
Er ist weg und Ellie zweifelt langsam an ihren Erinnerungen. Gibt es wirklich Nachtmahre? Hat sie einen Kampf gegen eine der mächtigsten Mahre überlebt? Gibt es Colin überhaupt tatsächlich?
Und dann kommt ein Auftrag von ihrem verschwundenen Vater. Sie soll nach Hamburg reisen und Paul, ihren Bruder, zurück nach Hause holen. Und nebenbei sein Werk im Kampf gegen die bösen Mahre fortsetzen…

Die 687 Seiten sind in vier große Teile untergliedert: Acedia (Trägheit), Superbia (Hochmut), Gula (Gefräßigkeit) und Ira (Zorn). Der Zusammenhang zum Inhalt erschließt sich dann, wenn man den jeweiligen Teil beendet hat. A bissl Spannung muss ja sein, gell?

Auf jeden Fall fand ich den Plot toll. Im ersten Teil ging es ja eher um die Gesamtsituation und die Beziehung zwischen Ellie und Colin, aber es wurde kein konkretes Ziel verfolgt. Hier gibt es das aber nun ganz klar und man kann sich an einem roten Faden langhangeln.

Schön gelöst wurde auch, dass nicht allzu viele neue Personen eingeführt wurden, obwohl es eine neue Stadt und neue Probleme und Aufgaben gab. So konnte ich mich immer noch mittendrin fühlen, da ich ja alle schon kannte. Und die neuen Personen waren allesamt sinnvoll (ja, es gibt auch genug Bücher, wo man 20 Leute kennenlernen muss, die absolut NICHTS mit der Geschichte zu tun haben). Und sie waren alle wieder fantastisch dargestellt. Sowohl optisch als auch charakterlich, mit allen Facetten und Zwiespälten. Ich habe alles ganz genau vor mir gesehen. Und man kann so schön miträtseln, ob man (und somit eben Ellie) den Leuten vertrauen kann oder nicht.
Aber endlich lernen wir Paul besser kennen! Das hat mich sehr gefreut. Vor allem, dass so große Teile des Buches in Hamburg spielen (wo ich wohne) und die ganzen Orte, die erwähnt werden, kenne ich ganz genau (vor allem dort, wo die gruseligsten Sachen passieren, gehe ich regelmäßig vorbei).
Wer diesmal gerade anfangs etwas zu kurz kommt, ist Colin. Aber ehrlicherweise hat es mich nicht „gestört“. Klar hätte ich gerne sofort erfahren, wie es zwischen den beiden weitergeht, aber es ist so viel anderes Spannendes passiert, dass ich gut abgelenkt war.
Und doch kam er wieder vor und nicht zu kurz… Oder vielleicht doch?!?! Eigentlich könnte ich ihn ja ständig um Ellie herum sehen, egal wie sehr er mich manchmal aufregen und nerven kann.

Apropos nerven: Irgendwie hat mich Ellie streckenweise enorm genervt. Sie schien so unentschieden mit sich und ihren Gefühlen. Nicht wirklich kindisch oder nicht dem Alter entsprechend, aber doch zeitweise echt anstrengend.

Was ich noch nicht erwähnt habe: Splitterherz (Teil 1) ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Und darum hat auch Scherbenmond von vornherein einen guten Stand. Ich versuche es neutral zu sehen, aber ich bin einfach positiv voreingenommen.

Was mich aber nichtsdestotrotz teilweise stört, ist die Sprache. Sie ist sehr schön, gefühlvoll, schwungvoll, lebendig und doch manchmal zu hoch gegriffen. In welchem Buch über Jugendliche sollte der Ausspruch „fünf feiste Wildschweinköpfe“ vorkommen? Wer sagt sowas??? Aber gut, es ist nur ganz selten (im ersten Teil war es definitiv öfter), dass ich kurz schlucken musste, dreimal tief durchatmen und diese Stelle dann weglächeln.

Man merkt wirklich, wie viel Herzblut Bettina Belitz in das Schreiben legt. Und ich kann das auch dahingehend bewerten, dass ich sie ein gaaaaaaanz kleines bisschen persönlich kenne. Ich bin nämlich in einem Bücherforum aktiv und dort gab Leserunden zu beiden Teilen. Und daher kommt auch die Danksagung, in die ich eingeschlossen wurde. Da gibt es nämlich folgende Stelle: „Ich danke […] den Teilnehmerinnen der Splitterherz-Leserunde auf buechertreff.de, die mich im Januar 2010 gerade in Scherbenmond hineinkatapultiert haben (Mädels, ihr wart spitze!)“. Und ich war eben eine der 15 Teilnehmerinnen (plus/minus zwei). Und daher hat mich diese Danksagung ganz stolz gemacht.

Nicht zu vergessen ist aber auch das Cover. Das ist wieder wunderschön. Man kann sich richtig in den Details verlieren und sich vor allem verlieben. Das Umschlagpapier ist sehr grob und dann sind da die feinen Lack-Reliefs. Toll! Was das Buch noch besonders macht, ist die Tatsache, dass auch unter dem Umschlag eine kleine Zeichnung ist (der Titel, von dem Herzen herabfallen). So sieht es auch ohne Umschlag nicht langweilig aus.

Außerdem gibt es ein süßes Detail, um sich noch mehr mit der Geschichte verbinden zu können. Es werden oft Bilder oder Lieder erwähnt. Wenn man die anschaut/anhört, ist man noch ein bisschen näher an Ellie und Colin dran.

Zusammenfassend: Klasse Stimmung, super Geschichte, tolle Charaktere, geniale Mischung aus verschiedensten Genres (Jugendbuch, Liebesgeschichte, Fantasy, Krimi, Thriller… irgendwie ist alles enthalten, ohne überladen zu wirken). Ich kann die Reihe wirklich nur empfehlen. Da ich ganz kleine Abstriche mache, vergebe ich .

Bettina Belitz – Scherbenmond
script5, Januar 2011
ISBN 9783839001226
687 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Splitterherz
2. Scherbenmond
3. Dornenkuss (voraussichtlich ab 1.11.2011)

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