Jane Fallon – Hin und weg von Paul

Typische Frauenbücher verlangen typische Inhalte. Der häufigste: „Um Gottes Willen, WAS muss ich machen, dass ER mich will?“ Geh durch einen Buchladen und du findest so viele Bücher, dass du alle zusammen gar nicht halten könntest.
Dieses Buch setzt dort an, wo bei vielen Schluss ist: Er (klischeehaft: der Chef!) hat sich endlich entschieden! Er will nur die Eine! Er hat Frau und Kinder verlassen! Sie ist glücklich!

Doch Helen ist überhaupt nicht mehr glücklich. Nach all den Jahren hat sie jetzt auch keine Lust mehr auf Paul. Aber wie soll sie diesen Egozentriker nun loswerden und ihn vor allem wieder aus der Wohnung kriegen?
Ganz klar, ein Plan muss her. Plan A: mangelnde Körperhygiene und schlimme Gebrechen. Und wenn das nicht klappt? Dann muss ein neuer Plan her…

Für solche Themen muss man doch eigentlich wirklich ein kreatives Cover schaffen. Wenn schon der Inhalt nicht innovativ ist, warum ignorieren so viele Verlage dann auch gekonnt die Covergestaltung??? Was soll bitte dieses Wolkenherz über bonbon-pinken Himmel? Gut ich hatte auch Interpretationen in Deutsch. Ich verstehe schon! Rosarote Brille, Wolken sind sehr zart und zerbrechlich (wie die Liebe), können durch Kleinigkeiten kaputt gehen… Aber es ist überaus hässlich nicht wirklich schön. Das Originalcover ist zwar auch nicht der Kracher, aber besser als das deutsche, das aus jeder rosa Pore „KIIIIIITSCH!“ schreit.

Dafür hat das Buch wenigstens die perfekte Länge, finde ich. Ganz knapp über 400 Seiten und die sind dann in relativ kurze Kapitel unterteilt (also im Schnitt zwischen 15 und 25 Seiten).
Es ist aus der Sicht eines allwissenden Erzählers geschrieben. Dieser folgt dann aber jeweils einer Person und beschreibt nur dort das Geschehen. Meistens geht es natürlich um die Hauptperson Helen.

Meiner Meinung nach ist dieses altbekannte Thema wirklich gut umgesetzt. Es gibt immer wieder Stellen, an denen man laut lachen kann, doch auch zum Nachdenken wird man angeregt. Ich finde, das Buch hat ganz zarte philosophische Einschläge. So wird des Öfteren über das Thema Schuld (aufgrund des Betrugs) nachgedacht. Aber wirklich nur in ganz leichten Ausprägungen.
Die Figuren wurden sehr gut beschrieben. Sie sind lebendig und man kann sich in jeden Charakter und dessen Verhaltensweisen völlig hineinversetzen.

Was in Frauenromanen ja gern mal vergessen wird, ist die Spannung. In Rezensionen gern ausgedrückt durch „Joa, es plätschert halt so vor sich hin, ne?!?!“ Hier ist das nicht so. Es kommt tatsächlich häufig Spannung auf. Es gibt viele Stellen, an denen man sich fragt: „Klappt es jetzt? Schluckt er oder sie den Köder? Fliegt die Lüge auf?“.
Also ich habe das Buch gern gelesen und auch schnell gelesen.

Das Einzige, was ich nicht so gelungen fand, war, dass der Leser ab und zu direkt angesprochen wurde. Es gab ähnliche Sätze wie „Sie fragte sich, wo er steckte und ob er dieses oder jenes tat. Aber wir wissen ja, dass er nur im Supermarkt war.“ So was mag ich überhaupt nicht. Ich werde an solchen Stellen total aus dem Lesefluss gerissen und merke, dass ich wirklich nur Zuschauer bin und nicht Teil der Geschichte.

Im Großen und Ganzen lässt sich also sagen, dass es ein gutes Buch, aber kein überragendes Buch ist. Von mir bekommt es .

Jane Fallon – Hin und weg von Paul
Originaltitel: Getting Rid of Matthew (Januar 2007)
rororo, Juli 2009
ISBN 9783499244742
414 Seiten
Taschenbuch; 8,95 Euro

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