Saira Rao – Eine Frau für alle Fälle

Wer jetzt eine positive Bewertung braucht, weil der Tag nicht besonders schön war, der sollte genau an dieser Stelle aufhören zu lesen! Nur ein kleiner Tipp am Anfang ;-).

Die Frau aus dem Titel, die angeblich für alle Fälle gut ist, ist Sheila Raj. Sie hatte schon immer davon geträumt an einem renommierten Gericht zu arbeiten. Und nun hat sie es geschafft! Sie ist Referendarin bei der Bundesrichterin Friedmann. Und ab diesem Moment beginnt der Alptraum. Die Richterin ist machtbesessen und provoziert und malträtiert ihre Mitarbeiter wo es nur geht. Diese sind aber trotzdem nicht wirklich besser. Der Sekretär ist extrem skurril und erzählt nur von seinen Mittelalterfesten und die Assistentin hasst anscheinend alles und jeden (außer der Richterin; der wird immer kräftig in den Allerwertesten gekrochen).
Es gibt eigentlich nur eine aufregende Sache an dem Referendariat: Der Straffall, den Sheila zugeteilt bekommt. Der Ausgang dieses Falls könnte nämlich so einiges im Staate Philadelphia ändern…

Ich habe ja schon angekündigt, dass ich nicht hellauf begeistert war. Im Folgenden hole ich mal aus ;-).
Das Negative beginnt schon beim Klappentext. Er hält sich nur so circa an die Fakten. Er sagt zum Beispiel, dass die Assistentin nur damit beschäftigt ist, ihre Plüschhunde zu streicheln. Das wir aber nur einmal erwähnt und das bizarre Doppelleben, das der Sekretär angeblich führt, ist eigentlich nur ein kurioses Hobby (Mittelalterfeste sind doch kurios, oder?). Dann wirbt der Klappentext mit dem „spektakulären Straffall“ und der ist dann wirklich spektakulär. Aber auf der Rückseite klingt es so, als ob sie den erst nach Monaten im Vorhof der Hölle (was dieses Büro wirklich ist) zugeteilt bekommen hat. Aber nein, es geht eigentlich von Anfang an um diesen Fall!
Das einzige, womit der Klappentext Recht hat, ist seine Abschlussmeinung: „Noch nie war der alltägliche Wahnsinn im Büro so komisch!“ Ob es nun NOCH NIE war, vermag ich nicht zu urteilen, aber lustig ist das Buch wirklich.

Der Inhalt an sich ist dafür eigentlich ganz ok. Es geht eben um ein total verrücktes Büro mit skurrilen Kollegen und einer Chefin („Ich bin BUNDESRICHTERIN!!!!!!), die nicht mal mehr als cholerisch durchgehen würde, sondern einfach als total gemein, böse, beleidigend und übertrieben. Ich habe ein wenig mehr Privatleben vermisst, aber da die Autorin den Schwerpunkt auf das Büro gelegt hat, ist das schon ok.

Die Figuren an sich blieben relativ farblos. Über die Hauptperson weiß man nicht mehr, als dass sie Sheila Raj heißt, 30 Jahre alt und Inderin ist. Das ist schon mehr, als man über so manch einen anderen Charakter weiß. Und diese anderen Figuren tauchen leider zuhauf auf. Aber meistens ohne Einführung. Plötzlich sind die Personen einfach da. Woher Sheila und die Person sich kennen, warum die Person jetzt da ist, ob sie je wieder auftauchen wird, wird dann vielleicht mal 100 Seiten später erklärt.

Außerdem ist es meistens total verwirrend geschrieben. Die ersten paar Seiten des ersten Kapitels sind die Zukunft (also irgendwo mitten im Referendarsjahr). Diese Stelle wird aber NIE wieder erwähnt und sie hatte keinerlei Bedeutung. Ich möchte sogar so weit gehen und sagen, dass es diese Stelle gar nicht geben KANN, weil Sheila gar nicht so viele andere Memos schreiben musste. Der Rest, der dann chronologisch abläuft, ist auch oft wirr zusammengeschrieben.

Noch ein negativer Fakt ist, dass so viel Wissen über das amerikanische Rechtssystem, die Law-Schools, amerikanische Colleges und auch Inder und ihre Kultur vorausgesetzt wird. Oftmals erscheinen irgendwelche Abkürzungen und Begriffe, die keinen Sinn machen, wenn man sie nicht kennt, aber auch nicht erklärt werden. Hier wären beispielhaft die ACLU (nach der Arbeit als Referendar kann man da arbeiten. WAS das ist??? Keine Ahnung!), WASP (hmmm, muss was mit College-Verbindungen zu tun haben) und die Ivy-League (ich hab gegooglet… hat mit College-Football zu tun) genannt.
In dem Zusammenhang wurden auch oft Orte, Restaurants und Persönlichkeiten aus Philadelphia genannt, die zumindest ich nicht kannte.

Nun zum Positiven:
Die Kapitellänge war sehr angenehm. Sie war sehr gemischt, aber immer noch im angemessenen Rahmen.
Ich konnte oft und gut lachen. Sheilas Gedanken, das Verhalten der Leute, die Situationsbeschreibungen… haben meist meinem Humor entsprochen. Aber es ist kein Vergleich mit anderen komischen Büchern. Man kann keine Tränen lachen, sondern eher mal amüsiert schnauben, grinsen und schmunzeln (und selten auch mal etwas lauter auflachen).

Im Großen und Ganzen kann ich das Buch nicht wirklich empfehlen. Es war nicht mal wirklich „ganz nett“ und hätte eigentlich 2 Sterne verdient. Nur weil ich ab und zu wirklich Spaß hatte, bekommt es .

Saira Rao – Eine Frau für alle Fälle
Originaltitel: Chambermaid (Juli 2007)
Goldmann Verlag, April 2008
ISBN 3442466458
384 Seiten
Taschenbuch; 8,95 Euro

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